Der Prophet Daniel hat laut Bibel die Prophezeiung verkündet, dass mit dem Ende des vierten Reiches der Antichrist auf die Erde komme und damit die Apokalypse beginne. Nach gängiger Zählweise im Mittelalter war nach Babyloniern, Persern und Alexander das antike Römische Reich das vierte Weltreich. Dieses Römische Reich durfte demnach nicht untergehen.

Papst Leo III. krönte im Jahre 800 Karl den Großen zum Kaiser. Der bisherige König der Franken stellte sein neues Herrschaftsgebiet in die Nachfolge des Römischen Reiches, um dessen Fortbestand zu sichern. Erstmals seit 476 trug in Westeuropa wieder ein Herrscher den Kaisertitel. Der volle Adelstitel lautete: Karl, durchlauchter Augustus, von Gott gekrönter, großer Frieden stiftender Kaiser, das Römische Reich regierend, von Gottes Gnaden auch König der Franken und Langobarden. Mit diesem Titel wird der Fortbestand des Römischen Reiches deutlich. Das Selbstverständnis als Nachfolge des Römischen Reiches war nicht unumstritten, denn das Byzantinische Reich sah sich ebenfalls in dieser Rolle und betrachtete das neue westliche „Römische Reich“ als selbst ernannt und nicht legitim.

Der Name Heiliges Römisches Reich wurde erst mit Beginn der Ära der Ottonen geprägt. Die ersten belegten Quellen für de Namen stammen aus den Jahren 1157 (Sacrum Imperium – Heiliges Reich) und 1254 (Sacrum Romanum Imperium – Heiliges Römisches Reich). Der bekannte Zusatz „Deutscher Nation“ (Nationis Germanicae) setzte sich erst am Ende des 15. Jahrhunderts durch, da sich das Reich überwiegend auf deutschsprachige Länder erstreckte. Gleichzeitig stand damit der Name sinnbildlich gegen Ansprüche aus Frankreich.

Dass der Begriff „Heiliges“ Reich erst etwas später hinzugekommen ist, liegt in dem Selbstverständnis der frühen Herrscher begründet. Sie sahen sich als Gottes Stellvertreter und als Beschützer der Kirche an. Aus diesem Grund war es nicht notwendig, diesen Begriff im Namen des Reiches zu führen. Die spätere Verwendung kann als Stütze der Macht der Kaiser betrachtet werden. Zudem nahmen sie damit eine deutliche Abgrenzung zum Papstthron vor, der das Reich dem Einfluss der päpstlichen Macht unterstellen wollte.

Die lateinische Abkürzung SRI (Sacrum Romanum Imperium) für das heilige Römische Reich war bis 1806 gültig. Aber schon der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und die Auflösungserklärung verwenden nur noch den Begriff „deutsches Reich“.