Es gibt kein konkretes Datum für die Gründung des Heiligen Römischen Reiches. Die Entstehung des Reiches war ein längerer Prozess. Als wichtiges Datum gilt der 2. Februar 962. An diesem Tag krönte Papst Johannes XII. den König des Ostfrankenreiches Otto I. zum Kaiser. Dieser hatte 961 das Königreich Italien erobert und seinen Herrschaftsbereich nach Norden, Osten und bis nach Süditalien ausgedehnt. Der Papst hatte daraufhin Otto aufgerufen, nach Rom zu kommen und als Beschützer der Kirche aufzutreten.

Otto I. ging als erster Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in die Geschichte ein, obwohl sein Herrschaftsbereich diesen Namen damals noch nicht trug. Die Bezeichnung Heiliges Römisches Reich (lateinisch „Sacrum Romanorum Imperium“) existiert erst seit dem Jahr 1254. Durch seine Kaiserkrönung gelang es Otto I. bei der Entstehung des Reiches, der nach Karl dem Großen mehr und mehr in Vergessenheit geratenen deutschen Kaiserwürde neues Leben einzuhauchen.

Nach dem Tod Karls des Großen im Jahre 814 war dessen Reich mehrfach geteilt und wiedervereinigt worden. Das Ostfrankenreich, das Otto als König seit 936 regierte, war aus der Teilung des Fränkischen Reiches im Jahre 843 hervorgegangen und gilt als Vorläufer des Heiligen Römischen Reiches. Otto baute sein Herrschaftsgebiet immer weiter aus und schuf sich so eine starke Machtposition. Diese nutzte er, um sich mit seiner Inthronisierung zum Kaiser eine besondere Legitimation zu verschaffen.

Mit der Bezeichnung „Römisches Reich“ wollten sich seine Herrscher bewusst in eine Tradition mit dem Römischen Reich der Antike stellen. Das Gebilde bei der Entstehung des Reiches war jedoch kein Nationalstaat heutiger Prägung, sondern lediglich die Bezeichnung für den Herrschaftsbereich des von den dortigen Fürsten gewählten Kaisers.

Die Entstehung des Reiches war genau genommen die Entstehung eines über- bzw. vornationalen Verbandes unzähliger Territorien, die häufig nur aus einigen Dörfern oder einer Stadt bestanden.