Das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches
Das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches hat sich in der Zeit von seiner Entstehung bis zu seiner Auflösung stark verändert. Anfangs umfasste es 470.000 Quadratkilometer, wuchs bis auf rund 900.000 Quadratkilometer an und verlor dann mit der schwindenden politischen Macht immer stärker auch an Fläche. Die größten Ausdehnungen lagen zwischen dem heutigen Mittelitalien mit Sardinen, Südostfrankreich mit Sardinen, Belgien, den Niederlanden südlich der deutschen Grenze zu Dänemark, Ostpreußen, Böhmen, Österreich und Teilen des heutigen Sloweniens. Dabei verschoben sich die Grenzen in den Jahrhunderten allerdings erheblich.
Die genauen Grenzen müssen in einem historischen Kontext gesehen werden. Denn die Zugehörigkeit einiger Gebiete zu einem Lehen war zwar gleichbedeutend mit einer territorialen Zugehörigkeit. Aber die Bevölkerung und der örtliche Adel müssen sich nicht zwangsläufig als Teil des Heiligen Römischen Reiches gesehen haben. So sind Grenzziehungen teilweise nicht eindeutig und stellenweise überlappend mit anderen Regionen zu verstehen. Hinzu kommt, dass in vielen äußeren Regionen der Einfluss der Herrschaft des Kaisers gering war. Die Lehensbindung war ebenfalls nicht immer eindeutig. So wurden zum Beispiel die Schweizer Eidgenossen als Teil des Reiches angesehen, diese beteiligten sich jedoch schon lange vor ihrer faktischen Unabhängigkeit nicht am politischen Geschehen.
Klare grenzen gab es im Norden. Die Meeresküste sowie die Grenze zwischen Holstein und Schleswig waren klar gezogen. Im Südosten waren sie mit den sogenannten habsburgischen Erblanden ebenfalls deutlich. Faktisch gehörte Böhmen ebenfalls zum Reich, aber die Bevölkerung fühlte sich nicht als „Deutsche“. Im Nordosten setzen Brandburg und Preußen eine Grenze, während der östliche Teil Preußens umstritten war. Die Grenze im Westen war stets umstritten. So wechselten im Laufe der Zeit der Einfluss auf Städte und Regionen sowie ihre Zugehörigkeit zwischen dem Reich und Frankreich. Das Gebiet des heutigen Belgiens und der Niederlande galten lange als Teil des Heiligen Römischen Reiches, obwohl die Gebiete selbst sehr autonom agierten.
Im Süden gehörten die Toskana, Mailand, Mantua, Modena, Parma und Mirandola zur Lehenshoheit des Kaisers. Diese Gebiete sind aber nicht nur aus ihrem Selbstverständnis heraus weder als „deutsch“, noch als tatsächlicher Bestandteil des Reiches zu sehen.