Handwerk und Zünfte im Mittelalter
Im Mittelalter bildeten sich viele Handwerksberufe immer spezialisierter heraus und entstand das Zunftwesen (regional auch Gilden). Die erste Handwerkszunft war die der Kölner Bettdeckenweber, die urkundlich 1149 erwähnt werden. Aber auch in vielen anderen Städten, von denen nicht wenige rasch wuchsen, bildeten sich spezialisierte Handwerksgruppierungen heraus, die sich zur Zunft ernannten oder sich deren Prinzipien zu eigen machten.
Zünfte – und damit die Handwerksberufe – sind hierarchisch strukturiert. In der Zunft selbst konnten Meister bis zum Zunftmeister und damit obersten Repräsentanten aufsteigen. Der Weg dorthin war jedoch beschwerlich. Nach einer Zeit als Lehrling folgte die des Gesellen. Dieser musste auf Wanderschaft bei verschiedenen Meistern lernen und konnte dann selbst zum Meister werden. Die genauen Voraussetzungen sind vom Handwerk und der jeweiligen Zunft abhängig gewesen. Noch heute wirken diese Strukturen in einigen Handwerksberufen nach. Zum Beispiel wird von gesellen der Zimmermänner traditionell eine Wanderschaft erwartet.
In den Städten des Heiligen Römischen Reiches gewannen die Zünfte nach und nach ein Einfluss. Anfangs lag die Macht der Verwaltung bei Adel, Klerus und Beamten. Mit Aufkommen der Zünfte gewannen auch die Handwerksberufe durch ihre Zunftmeister an Einfluss. Das führte in einigen Städten sogar zu sogenannten Zunftrevolutionen, bei denen die Handwerker es verstanden, höchste Posten in den Städten zu bekleiden und die Zünfte teilweise gemeinsam mit Bürgermeister und Rat wichtige Angelegenheiten regelten. In einigen Fällen spricht man hier vom Begriff der Zunftverfassung.
Später verloren die Zünfte wieder an politischer Macht und ihr Einfluss hatte zunehmend nur noch wirtschaftlichen Charakter. Im Zusammenhang mit Gewerbefreiheit und der Aufhebung des Zunftzwanges, die zum Ende des Heiligen Römischen Reiches immer häufiger gefordert wurde, verloren Zünfte fast vollends ihre Bedeutung. Sie wurden später von Handwerkskammern im heutigen Sinne abgelöst.